Dienstag, 6. Dezember 2016

Εὐαγγέλιον Κατὰ Μᾶρκον, Κεφ. 13 - Markusevangelium 13


1 κα κπορευομνου ατο κ το ερο λγει ατ ες τν μαθητν ατο διδσκαλε δε ποταπο λθοι κα ποταπα οκοδομα
1 Und (als) herausgelangend er (war) aus dem Tempel, sagt ihm einer der Schüler (von) ihm: Lehrer, sieh, woher-(seiende) Steine und woher-(seiende) Erbauungen!

Εὐαγγέλιον Κατὰ Μᾶρκον, Κεφ. 15 - Markusevangelium 15


1 κα εθς πρω συμβολιον τοιμσαντες ο ρχιερες μετ τν πρεσβυτρων κα γραμματων κα λον τ συνδριον δσαντες τν ησον πνεγκαν κα παρδωκαν Πιλτ
1 Und sogleich früh (einen) Ratsbeschluss bereitet (habend) die Tempelvorsteher mit den Ältesten und Schriftgelehrten und ganz dem Synhedrion, gebunden (habend), den Jesus (sie) wegbrachten und übergaben Pilatus.

Εὐαγγέλιον Κατὰ Μᾶρκον, Κεφ. 16 - Markusevangelium 16

1 κα διαγενομνου το σαββτου Μαρα Μαγδαλην κα Μαρα ακβου κα Σαλμη γρασαν ρματα να λθοσαι λεψωσιν ατν
1 Und (als) vorbeigeworden (war) der Sabbat, die Maria, die Magdalene, und Maria, die (von) Jakobus, und Salome ermarkteten Duft(-öle), auf-dass, gekommen, (sie) ölen ihn.

Εὐαγγέλιον Κατὰ Μᾶρκον, Κεφ. 3 - Markusevangelium 3


1 κα εσλθεν πλιν ες συναγωγν κα ν κε νθρωπος ξηραμμνην χων τν χερα
1 Und (er) hineinkam wieder in Synagoge und (es) war dort (ein) Mensch, ausgetrocknet habend die Hand.

Εὐαγγέλιον Κατὰ Μᾶρκον, Κεφ. 6 - Markusevangelium 6


1 κα ξλθεν κεθεν κα ρχεται ες τν πατρδα ατο κα κολουθοσιν ατ ο μαθητα ατο
1 Und (er) herauskam von-dort und kommt in die Vaters-(Stadt von) ihm, und (es) folgen ihm die Schüler (von) ihm.

Dienstag, 1. November 2016

Mythicism, Radikalkritik und Johannes der Täufer


Ein Leser meines Blogs hat mich sehr freundlich gebeten, ob ich einen „unparteiischen“ Beitrag zum Thema „mythicism“ und „Radikalkritik“ schreiben könnte, also über die Frage, ob Jesus als historische Persönlichkeit existiert hat. Ich habe dies zunächst wegen mangelnder Kompetenz freundlich abgelehnt; eine kleine Diskussion über die Taufe von Jesus hat meine Meinung jedoch geändert. Jedoch möchte ich die Frage nicht im Allgemeinen, sondern an einem ganz konkreten Beispiel erörtern. Es lautet:

Warum beginnt das Markusevangelium mit Johannes dem Täufer und warum lässt sich Jesus taufen?

In diesem Beitrag stelle ich fünf Meinungen vor. Zwei davon beruhen auf der Überzeugung eines historischen Jesus. Die drei anderen radikalkritischen Positionen weisen jeweils eine bestimmte Typik für diese Denkrichtung auf. Ziel meines Beitrags ist es nicht, eine eigene Meinung zu äußern, sondern zu zeigen, aus welchem Grund und mit welchen Positionen die Debatte geführt wird. Persönlich teile ich keine der vertretenen Sichtweisen in allen Punkten.

1) Das Markusevangelium erzählt die Taufe durch Johannes in einem einzigen Vers, der wörtlich wie folgt lautet:

1:9 Κα γνετο ν κεναις τας μραις λθεν ησος π Ναζαρτ τς Γαλιλαας κα βαπτσθη ες τν ορδνην π ωννου
1:9 Und (es) geschah in jenen, den Tagen: (es) kam Jesus vom Nazaret des Galiläa und (wurde) getauft in den Jordan von Johannes.

Den Grund von Jesus’ Kommen gibt Markus nicht an. Wir erfahren nur, dass Jesus zur „Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden“ (Mk 1:4) kommt und danach „sogleich“ in die Wüste getrieben wird. Ob der Täufer Jesus als besonderen Täufling wahrgenommen hat, bleibt offen. Auch von einer späteren „Anfrage des Täufers“ erzählt Markus nichts. Jesus nimmt seine Mission erst nach der Gefangennahme von Johannes auf (Mk 1:14). Er selbst tauft nicht, sondern verkündet das Evangelium. Er beruft eigene Jünger (Mk 1:16) oder die Menschen kommen zu Jesus, „weil sie von seinen Taten gehört haben“ (Mk 3:8). Die Jünger von Johannes fasten, die Jünger von Jesus nicht (Mk 2:18). Zwar sind sich der Täufer und Jesus in der Frage der Scheidung/Wiederheirat einig, ihre Beweggründe sind jedoch verschieden. Der Täufer stützt sich gegenüber Herodes auf das Gesetz: „Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben.“ (Mk 6:18) Jesus argumentiert hingegen aufgrund einer Schöpfungsethik: „Von Anfang der Schöpfung an aber hat er sie als Mann und Frau geschaffen … und die zwei werden ein Fleisch sein … Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ (Mk 10:6)

Schließlich stellt Jesus im Streitgespräch mit der Jerusalemer Elite eine Gegenfrage: „War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir!“ (Mk 11:30) Die Gegner weichen jedoch aus. Auch Jesus gibt keine ausdrückliche Antwort.

Donnerstag, 15. September 2016

Textkritik: Der Hahnenschrei und die Verleugnung des Petrus


Peter Jan Brandl via wikicommons
1) Die Geschichte über die Verleugnung des Petrus erzählen die synoptischen Evangelien in drei Schritten. Zunächst kündigt Jesus die Verleugnung sowie das Krähen des Hahns an, späterhin kommt es dann zur dreifachen Verleugnung durch Petrus mit Hahnenschrei und anschließend erinnert sich Petrus an die Prophezeiung von Jesus.

Im Unterschied zu den drei anderen Evangelien schildert Markus jedoch, dass der Hahn zweimal gekräht und Jesus dies auch so angekündigt habe. Dieser Unterschied führt gern zu Diskussionen darüber, wie es nun „wirklich“ war oder warum die anderen Evangelien in diesem Detail alle von Markus abweichen.


Nicht weniger interessant erscheint die Textgeschichte des Markusevangeliums. Von den sechs ältesten Bibeln, die heute noch erhalten sind und das 14. Kapitel des Markusevangeliums beinhalten, stimmt nämlich nur eine einzige in den maßgeblichen Punkten mit dem Text überein, den wir heute in unseren modernen Bibelausgaben lesen: der Codex Alexandrinus aus dem 5. Jahrhundert. In der Mehrzahl dieser Codizes wird die Ankündigung von Jesus hingegen wie in den anderen Evangelien erzählt. Nur ein Hahnenschrei ist prophezeit.

Das wirklich Erstaunliche sind jedoch die inneren Widersprüche in diesen alten Bibeln. In dem einen Codex wird etwa nur ein Hahnenschrei angekündigt, dann geschehen aber tatsächlich zwei. Ebenso existiert die umgekehrte Variante. So wenig diese alten Bibeln in dieser Geschichte mit unserer heutigen Fassung des Markusevangeliums harmonieren, so wenig stimmen sie auch untereinander überein. Alle möglichen Spielarten bestehen und ein klares Bild ist nicht zu gewinnen. Erst ab dem Mittelalter enthält die eindeutige Mehrheit der Bibelhandschriften die Erzählung in der uns bekannten Form. Die Abbildung zeigt, in welchen Punkten diese alten Codizes mit der uns geläufigen Fassung (obere Zeile) übereinstimmen (grün markiert) und in welchen nicht (gerötet). Ich habe zusätzlich den Codex Regius aus dem 8. Jahrhundert aufgenommen, der nochmal eine eigene Variante aufweist.


2) Obwohl eine Reihe namhafter Bibeltextforscher davon ausgeht, dass unsere moderne Textfassung nicht dem Originaltext entspricht, bin ich selbst anderer Meinung. Grund hierfür ist, dass unser überlieferter Text etwas enthält, was man als einen kleinen Widerspruch bezeichnen könnte. Meiner Meinung nach liegt deshalb die Vermutung nahe, dass gerade wegen diesem „Widerspruch“ die anderen Evangelisten von Markus abwichen, dass aber auch die verworrene Texttradition hierdurch entstanden ist.

Mittwoch, 24. August 2016

Mk-Einführung: Was ist das „Messiasgeheimnis“?

Streng geheim!
Falsches und Richtiges zu diesem Begriff

Falsch:
Das „Messiasgeheimnis“ ist eine Theorie über das Markusevangelium von William Wrede.

Richtig:
Der Begriff „Messiasgeheimnis“ bezeichnet keine „Theorie über“, sondern ein wiederkehrendes Thema im Markusevangelium. Es findet sich in vielen einzelnen Geboten, Handlungen und Lehrinhalten von Jesus, die auf eine „Geheimhaltung“ zielen.

Wie das Stichwort „Bekenntnis des Petrus“ auf den Vers Mk 8:29 verweist („Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Du bist der Christus!“), so der Begriff „Messiasgeheimnis“ auf eine Vielzahl von Versen; zum Beispiel auf die Antwort von Jesus auf eben dieses Petrusbekenntnis (Mk 8:30 „Und er gebot ihnen, dass sie niemandem von ihm sagen sollten.“)

Dieses Gebot von Jesus „dass sie niemandem von ihm sagen sollten“ hat die Bibelwissenschaft als ein Gebot zur „Geheimhaltung“ verstanden. Das Wort „Messias“ leitet sich aus dem Aramäischen ab und ist im Griechischen mit dem Wort „Christos“ übersetzt. „Messiasgeheimnis“ meint daher bezogen auf den Vers Mk 8:30, dass die Jünger nicht von Jesus als dem Christus (Messias) sprechen, sondern dies eben „geheim“ halten sollen.

In der Bibelwissenschaft wurde diese Thematik bereits vor William Wrede in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umfangreich diskutiert. Der Hintergrund war folgender:

Obwohl das Markusevangelium von einer Vielzahl von Schweigegeboten und Geheimhaltungen berichtet, wird der Sinn und Zweck dieser „Geheimnistuerei“ vom Evangelisten Markus nicht angegeben. Es stellt sich daher die Frage nach dem Warum. Diese Frage ist nicht nur ein Verständnisproblem, sondern betrifft auch das Selbstverständnis des christlichen Glaubens. Seit nahezu 2000 Jahren verkünden und bekennen Christen in aller Welt, dass Jesus der Christus ist und leiten ihren Namen von diesem Titel ab. Wie kann es dann sein, dass ausgerechnet Jesus Christus seinen Jüngern verbot, von ihm als dem Christus sprechen?

Auf diese Frage versuchten Gelehrte des späten 19. Jahrhunderts eine Antwort zu geben und bezeichneten das von ihnen diskutierte Problem mit dem Begriff „Messiasgeheimnis“.

Mittwoch, 10. August 2016

Der Mensch mit der verdorrten Hand und die Steuern für Cäsar


1) Man würde wohl eher nicht vermuten, dass zwischen der Erzählung von der Heilung des Menschen mit der verdorrten Hand (Mk 3:1ff) und der Frage nach den Steuern für Cäsar (Mk 12:13ff) ein sehr enger Zusammenhang besteht. Wenn man sich in die Einzelheiten vertieft, sind die Verbindungen zwischen beiden Perikopen des Markusevangeliums jedoch offensichtlich.

Eine "verdorrte" Hand?
Die Ausgangslage
Die „Herodianer“ kommen als Personen und als Wort nur in diesen beiden Perikopen vor (Mk 3:6, 12:13) und werden jeweils gemeinsam mit den Pharisäern genannt. Die Gegner versuchen beide Male, Jesus in eine Falle zu locken, die sich um eine Rechtsfrage dreht. (Mk 3:2 Und sie lauerten auf ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen könnten. - Mk 12:13 Und sie senden einige der Pharisäer und der Herodianer zu ihm, um ihn in der Rede zu fangen.)

Die Durchführung
In beiden Perikopen wird eine Frage gestellt, welche mit „Ist es erlaubt …(ξεστιν – Exestin) beginnt, es handelt sich jeweils um eine „oder“-Frage und sie enthält eine Art Wiederholung. (Mk 3:4 Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, das Leben zu retten oder zu töten? Mk 12:14 Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht geben?)
via wikimedia: Denar mit Abbild des göttlichen Cäsar

In der ersten Perikope steht ein einzelner Fall zu Diskussion (Heilung dieses Menschen am Sabbat), aber Jesus verteidigt sich mit einer allgemeinen Rechtsfrage („Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun …“). In der zweiten Perikope wird eine allgemeine Rechtsfrage aufgeworfen („Ist es erlaubt, Steuern zu zahlen …“), aber Jesus entscheidet sie an einem einzelnen Fall ("Bringt mir einen Denar, damit ich ihn sehe! … Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift? Sie aber sagten … Des Kaisers.")

Das Ergebnis
Jesus’ Gegner sind in beiden Perikopen auf „menschliches“ Recht fokussiert, verstoßen dabei aber gegen die 10 Gebote. In der ersten Erzählung beschließen sie, Jesus zu töten, in der zweiten bringen sie einen römischen Denar mit dem Abbild des „vergöttlichten“ Cäsar in den Tempel und entweihen damit das Heiligtum.


2) Meines Erachtens ist diese sehr sorgfältige Gestaltung von Markus kein bloßes Spiel. Mir scheint, dass das Verständnis der einen Perikope für den Leser hilfreich ist, um die jeweils andere besser zu verstehen und dabei vor allem einen bestimmten Punkt, der nicht sofort offensichtlich ist.

Meinem Eindruck nach soll der Leser der Erzählung von der Heilung der verdorrten Hand nämlich verstehen, dass die Hilfebedürftigen der Geschichte auch die Pharisäer sind und dass das Heilshandeln von Jesus auch auf diese gerichtet ist.

Freitag, 3. Juni 2016

Salome


nach H. Twena via jerusalemperspective
1) In der Regel wird das Neue Testament natürlich christlich ausgelegt. Die Erzählung vom Tanz der Salome und der Enthauptung von Johannes dem Täufer stellt vielleicht die berühmteste Ausnahme dar. Seit vielen Jahrhunderten beschäftigen sich auch Künstler, Schriftsteller, Philosophen und Musiker mit diesem Stoff aus dem Markusevangelium.

In gewissem Sinn konkurrieren die christliche und die künstlerische Deutung miteinander und die säkulare Interpretation scheint wohl aktuell das mehrheitliche Verständnis der Erzählung zu dominieren. Jeder kennt Salome als die „gefährliche femme fatale“. Eher „gefährlich normal“ wirkt dagegen das Porträt der älteren Salome, das die Designerin Helen Twena auf Grundlage einer gut erhaltenen, um 56-57 n.Chr. geprägten Münze nachempfunden hat.

Die beiden Interpretationen, sowohl die christliche als auch die künstlerische, haben zu einer ikonenhaften Darstellung geführt. 

Lovis Corinth, 1899
Oscar G. Rejlander, 1855
Die christliche Darstellung erinnert mit den sogenannten Johannes-Schüsseln an das Martyrium des Täufers. 

Hingegen prägten vor allem die Künstler des Fin de Siècle unser Bild von der erotisch-grausamen Salome.