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Freitag, 3. Januar 2025

Neue Poesie im biblischen Stil


Einer meiner Träume ist es, eines Tages eine neue Perikope für das Markusevangelium zu schreiben, natürlich in Altgriechisch. Sie soll sich so unauffällig in das Evangelium einfügen lassen, dass auch ein Kenner den Unterschied nicht bemerken würde.

Ehrlich gesagt, dieses Vorhaben ist nicht leicht umsetzbar. Ich habe bereits viele Ideen verworfen, weil eine neue Einfügung in den Text des Markusevangeliums in der Regel den Zusammenhang zwischen zwei anderen Perikopen stört. Zudem müssen Metaphern und Themen zum markinischen Text an sich und auch noch an der jeweiligen Stelle passen. Versuche mit künstlicher Intelligenz sind zum Scheitern verurteilt. Ich empfinde immer sofort, wie „mechanisch“ und „flach“ und letztlich auch eindeutig unmarkinisch die Schöpfungen der KI sind. 

Etwas einfacher scheint es, ein neues „Gedicht“ zu verfassen. Leider bin ich dichterisch nicht besonders begabt. Ich möchte dennoch mal einen eigenen Text vorstellen. Ich glaube, es ist doch ganz interessant zu sehen, wie biblische Sprache bei einem modernen, weltlichen Thema funktioniert. Die nachfolgende, kurze Perikope ist stilistisch fast markinisch, nimmt dabei aber ein paar Anleihen beim Buch Genesis. Örtlichkeit und Umstände sind bewusst so gewählt, dass keinerlei Assoziationen zu biblischen Themen aufkommen sollen. Es soll eine Art trauriges Liebesgedicht aus den „wilden Zwanzigern“ über eine verpasste Gelegenheit sein, gegen die sie sich zunächst verzweifelt wehrt, um es anschließend sogleich zu bereuen. Die Idee zum Text entwickelte sich ganz entfernt aus der ersten Begegnung zwischen Isaak und Rebekka in Genesis 24:62ff. 

Montag, 6. Oktober 2014

„ἀναβλέπω“ in der Septuaginta und bei Markus



1) Markus’ Bibel, die Septuaginta, schildert im Buch Genesis (1. Mo 24, 62) die erste Begegnung zwischen Rebekka und Isaak so:
Abel Pann: Rebekah
via iamachild.wordpress

Isaak aber durchzog die Wüste zum Brunnen der Erscheinung; er selbst aber wohnte in dem Land, das nach Süden liegt. Und Isaak kam heraus, um Zwiesprache zu führen auf das Feld gegen Abend und aufblickend (ναβλψας) mit den Augen sah er Kamele kommen. Und Rebekka aufblickend (ναβλψασα) mit den Augen sah Isaak und sprang vom Kamel herab und sagte zum Knecht: Wer ist der Mensch dort, der auf das Feld zur Begegnung mit uns gekommen ist?

Isaak sieht die „Kamele“ seines Vaters zurückkehren. Rebekka sieht einen Mann, vom dem sie noch nicht sicher weiß, dass es „Isaak“ ist. Es sind Blicke aus der Ferne, die sich noch nicht begegnen. Ein erstes romantisches „Schau-mir-in-die-Augen“ muss noch warten. Warum betont der Erzähler (Übersetzer) diese Blicke dann? Beide „blicken“ zunächst „auf“ und dann „sehen“ sie.

Die Wendung „aufblickend/ aufschauend mit den Augen“ könnte einerseits als bloße Floskel verstanden werden, die keine tiefere Bedeutung hat. Sie könnte andererseits aber auch einen Impuls, eine plötzliche Eingebung beschreiben, aufgrund derer Rebekka und Isaak in ihrem gewöhnlichen Tun „aufgeschreckt“ werden und ihre Aufmerksamkeit vollständig auf etwas Neues richten. Dabei könnte es sich um ein für beide noch rätselhaftes, aber schicksalhaftes Geschehen handeln.

Auf den ersten Blick scheint diese letztere Möglichkeit etwas überspannt. Dieser Eindruck ändert sich jedoch, wenn man die zwölf weiteren Stellen im Buch LXX-Genesis liest, die das Verb ναβλέπω (anablepó – aufblicken) enthalten. Nehmen wir zum Beispiel das Erscheinen des Widders bei der Bindung (Opferung) Isaaks im Buch Genesis (1. Mo 22,13):

Und als Abraham mit seinen Augen aufblickte (ναβλψας), sah er, und siehe, ein Widder mit seinen Hörnern verfangen im Strauch Sabek; und Abraham ging und nahm den Widder und brachte ihn als Ganzfeueropfer anstelle seines Sohnes Isaak dar. Und Abraham gab jenem Ort den Namen: Der Herr hat gesehen, damit man heute sagt: Auf dem Berg zeigte sich der Herr.

Vorliegend ein Beitrag zur Verwendung des Verbs ναβλέπω (anablepó – aufblicken) in der Septuaginta und im Markusevangelium …

Donnerstag, 4. September 2014

Das Abjatar-Problem III


Schluss – Brot des Lebens

Meines Erachtens wirft der Text von Mk 2,23-2,28 u.a. folgende, sehr schwierige Fragen auf:

1) Gibt das Markusevangelium zu verstehen, dass das Ausrupfen der Ähren durch die Jünger zum Essen der Getreidekörner erfolgt wie bei Matthäus und Lukas?

Van Gogh´s Krähen im Kornfeld
via fr.wikipedia
2) Warum kritisieren die Pharisäer Jesus, wenn das nicht der Fall ist?

3) Wieso enthält die gesamte Szene Mk 2,23-2,28 so viel „Schöpfungsvokabular“? Ist Mk 2,27 „humanistisch“ zu interpretieren?

4) Soll man Mk 2,28 mit „So ist der Menschensohn auch Herr des Sabbats“ oder stattdessen eher „Herr ist der Sohn des Menschen und des Sabbats“ übersetzen?

5) Welche Bedeutung hat die Davidserzählung im Kontext von Mk 2,23-28?
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1) Traditioneller Weise wird die Szene vom Ährenraufen am Sabbat so verstanden, dass die Jünger hungrig sind, einige Ähren pflücken und die Getreidekörner essen. Die Pharisäer beurteilen dies als am Sabbat verbotene Erntearbeit und rügen das Vergehen der Jünger gegenüber Jesus. Dies entspricht zweifellos dem Wortlaut und dem Sinn der Perikopen bei Matthäus und Lukas. Zunächst ein Blick auf den griechischen Text und die wortwörtliche Übersetzung von Mk 2,23:

Καὶ
ἐγένετο
αὐτὸν
ἐν
τοῖς
σάββασιν
παραπορεύεσθαι
διὰ
τῶν
σπορίμων
kai
egeneto
auton
en
tois
sabbasin
paraporeuesthai
dia
tOn
sporimOn
Und
es geschah
er
an
den
Sabbaten
hindurchging
durch
die
Saaten

καὶ
οἱ
μαθηταὶ
αὐτοῦ
ἤρξαντο
ὁδὸν
ποιεῖν
τίλλοντες
τοὺς
στάχυας
kai
hoi
mathEtai
autou
Erxanto
hodon
poiein
tillontes
tous
stachuas
und
die
Jünger
seine
begannen
Weg
zu machen
ausrupfend
die
Ähren