| Abel Pann: Rebekah via iamachild.wordpress |
„Isaak aber durchzog die Wüste zum Brunnen der Erscheinung;
er selbst aber wohnte in dem Land, das nach Süden liegt. Und Isaak kam heraus,
um Zwiesprache zu führen auf das Feld gegen Abend und aufblickend (ἀναβλέψας)
mit den Augen sah er Kamele kommen. Und Rebekka aufblickend (ἀναβλέψασα)
mit den Augen sah Isaak und sprang vom Kamel herab und sagte zum Knecht: Wer
ist der Mensch dort, der auf das Feld zur Begegnung mit uns gekommen ist?“
Isaak sieht die „Kamele“ seines Vaters zurückkehren. Rebekka
sieht einen Mann, vom dem sie noch nicht sicher weiß, dass es „Isaak“ ist. Es
sind Blicke aus der Ferne, die sich noch nicht begegnen. Ein erstes
romantisches „Schau-mir-in-die-Augen“ muss noch warten. Warum betont der
Erzähler (Übersetzer) diese Blicke dann? Beide „blicken“ zunächst „auf“ und dann
„sehen“ sie.
Die Wendung „aufblickend/ aufschauend mit den Augen“ könnte einerseits
als bloße Floskel verstanden werden, die keine tiefere Bedeutung hat. Sie
könnte andererseits aber auch einen Impuls, eine plötzliche Eingebung
beschreiben, aufgrund derer Rebekka und Isaak in ihrem gewöhnlichen Tun
„aufgeschreckt“ werden und ihre Aufmerksamkeit vollständig auf etwas Neues
richten. Dabei könnte es sich um ein für beide noch rätselhaftes, aber
schicksalhaftes Geschehen handeln.
Auf den ersten Blick scheint diese letztere Möglichkeit
etwas überspannt. Dieser Eindruck ändert sich jedoch, wenn man die zwölf
weiteren Stellen im Buch LXX-Genesis liest, die das Verb ἀναβλέπω (anablepó – aufblicken) enthalten.
Nehmen wir zum Beispiel das Erscheinen des Widders bei der Bindung (Opferung)
Isaaks im Buch Genesis (1. Mo 22,13):
„Und als Abraham mit seinen Augen aufblickte (ἀναβλέψας),
sah er, und siehe, ein Widder mit seinen Hörnern verfangen im Strauch Sabek;
und Abraham ging und nahm den Widder und brachte ihn als Ganzfeueropfer
anstelle seines Sohnes Isaak dar. Und Abraham gab jenem Ort den Namen: Der Herr
hat gesehen, damit man heute sagt: Auf dem Berg zeigte sich der Herr.“
Vorliegend ein Beitrag zur Verwendung des Verbs ἀναβλέπω (anablepó – aufblicken) in der
Septuaginta und im Markusevangelium …